Auch das ist Trauer

Wenn eine Person stirbt, gibt es oft eine Art Rahmen: Beileidsbekundungen, eine Trauerfeier, vielleicht auch ein Ritual, das uns durch die ersten Tage trägt. Das macht den Verlust nicht leichter, aber er wird dadurch teilweise als das anerkannt, was er ist: ein Grund zu trauern.

Grundsätzlich muss man nicht mal unbedingt weg vom Thema Tod, denn schaut man in Richtung Tiertrauer oder beispielsweise Fehlgeburten, befinden wir uns oft bereits im wenig bis nicht legitimierten Bereich von Trauer. In diesem Blogbeitrag möchte ich aber ein Stück weiter gehen: Es gibt unzählige andere Verluste, die genauso real sind, für die es aber weder Beileidskarten noch anerkannte Trauerzeit gibt. Verluste, die wir oft sogar uns selbst nicht erlauben zu betrauern, weil niemand sie als „legitim" markiert hat.

Hier ein Blickwinkel auf diese Verluste; sicher nicht vollständig, aber ein Anfang:

Der Verlust einer Freundschaft. Sie ist nicht gestorben, sie ist einfach eingeschlafen oder zerbrochen. Und doch fehlt ein Mensch, der einmal ein großer Teil des Lebens war.

Der Jobverlust. Nicht nur ein Einkommen geht verloren, sondern oft auch ein Stück Identität, Tagesstruktur, Zugehörigkeit.

Der unerfüllte Kinderwunsch. Ein Leben, das man sich so sehr wünscht, aber nicht erfüllt werden kann.

Der Auszug der Kinder. Eine neue Lebensphase beginnt, und gleichzeitig endet eine, die viele Jahre den Alltag geprägt hat.

Der Verlust von Gesundheit oder Fähigkeiten. Der eigene Körper, der nicht mehr das kann, was er konnte. Ein Abschied von einer Version von sich selbst.

Das Ende einer Lebensphase. Ein Studium, ein Umzug, ein Abschnitt, der zu Ende geht, auch wenn der Abschluss gefeiert werden kann und damit etwas Neues bereits beginnt.

Aufgegebene Zukunftspläne. Der Wunsch nach einem Leben, das sich anders entwickelt hat, als man es sich vorgestellt hatte.

Diese Liste könnte ich endlos weiterführen. Tatsächlich tue ich das auch, in meiner Instagram-Reihe „Raum für Trauer – von A bis Z", wo ich von A bis Z Verlust mit den Anfangsbuchstaben sammle. Wenn du dort vorbeischaust, wirst du vermutlich Anlässe finden, die du noch nicht unter dem Aspekt der Trauer bedacht hast und vielleicht auch einen, der dich persönlich berührt.

Warum diese Liste wichtig ist

Nicht, um zu vergleichen oder zu werten, wessen Verlust "größer" oder "echter" ist. Sondern um eines klarzumachen: Trauer ist nicht an den Tod gebunden. Trauer entsteht überall dort, wo etwas endet, das uns wichtig war: Eine Beziehung, eine Rolle, ein Traum, eine Version von uns selbst, …

Wenn du dich in einem dieser Punkte wiederfindest oder in etwas, das hier gar nicht steht: Dein Verlust ist real. Du brauchst dafür keine Erlaubnis von außen.

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Gefühle in der Trauer