Abschied von einem Wunsch

Vor einiger Zeit habe ich eine Person begleitet, die sich von einem Kinderwunsch verabschiedet hat. Nicht, weil das Leben es unmöglich gemacht hatte, sondern weil die eigenen Lebensumstände rational dagegen sprachen. Der Kopf hatte das bereits verstanden, der Rest noch nicht.

Das ist eine Erfahrung, die viele Menschen machen, über die aber kaum gesprochen wird: Ein Wunsch, der bewusst aufgegeben wird, ist trotzdem ein Verlust. Und dieser Verlust verschwindet nicht einfach, weil die Entscheidung "selbst gewählt" war. Im Gegenteil: Oft macht genau das die Trauer komplizierter. Wo ist der Raum für einen Verlust, den man sich selbst "ausgesucht" hat?

Gemeinsam haben wir in der Begleitung nach einem Weg gesucht, diesem Wunsch einen würdigen Abschied zu geben. Wir haben ein Abschiedsritual entwickelt, ganz individuell zugeschnitten.

Was ein solches Ritual leisten kann

Rituale geben dem, was unsichtbar ist, eine Form. Sie machen einen inneren Prozess äußerlich erfahrbar und das kann helfen, wenn der Kopf längst weiter ist als der Körper oder das Gefühl.

Es gibt kein Patentrezept für ein solches Ritual. Es entsteht aus den Fragen, die sich eine Person dazu stellt. Einige davon, die in einer Begleitung wichtig werden können, kannst du nachfolgend lesen:

Was soll das Ritual bewirken? Geht es um Abschied, um Würdigung, um das bewusste Loslassen oder um mehrere Dinge gleichzeitig?

Welche Gefühle sind dabei? Trauer, Erleichterung, Wut, Schuld, vielleicht auch Frieden. Ein Ritual darf Raum für alles davon haben.

Gibt es einen Gegenstand und wofür soll dieser stehen? Etwas, das den Wunsch symbolisiert? Eine Rolle? Die Zukunft? Oder doch eine konkrete Vorstellung des Wunsches?

Soll es etwas Bleibendes sein oder etwas Einmaliges? Ein Ort, an den man zurückkehren kann oder ein Moment, der bewusst einmal geschieht und dann abgeschlossen ist.

Gibt es einen geeigneten Zeitpunkt oder Ort? Ein Datum, das eine Bedeutung trägt. Ein Ort, der Ruhe oder Verbindung ermöglicht.

Was soll davor und danach passieren? Braucht es eine Vorbereitung, wie Stille, ein Gespräch, eine bestimmte Umgebung? Und was hilft danach, wieder anzukommen?

Ein Abschied, der seinen eigenen Weg finden darf

Es gibt nicht das eine richtige Ritual für einen aufgegebenen Kinderwunsch, genauso wenig wie es die eine richtige Art zu trauern gibt. Aber es gibt die Möglichkeit, sich diese Fragen zu stellen und einen Weg zu finden, der für einen selbst stimmig ist.

Wenn du dich in dieser Erfahrung wiederfindest: Du darfst trauern, auch wenn die Entscheidung deine eigene war. Und du darfst dir, wenn es sich richtig anfühlt, deinen eigenen Abschied gestalten.

Weiter
Weiter

Auch das ist Trauer